Doch auch aus dem Projekt mit Tim Bogert und Carmine
Appice (Rod Stewart war bereits zu Beginn ausgestiegen) wurde nichts,
da Jeff Beck im Herbst mit einem seiner Sportwagen, einem Corvette
Stingray, gegen einen Baum raste. Rund ein Jahr lag er mit einer schweren
Schädelfraktur im Krankenhaus. In dieser Zeit und in abgeschwächter
Form auch danach bereiteten ihm die geringsten Laute ungeheure Schmerzen,
so daß es bis auf verschiedene Interviews mit Rod Stewart, in
denen sein Name nicht in den löblichsten Zusammenhängen
fiel, ruhig wurde um Jeff Beck.
Obwohl er noch lange an den psychischen Folgen des Unfalls laborierte,
suchte er bereits 1970 nach seiner körperlichen Genesung nach
geeigneten Musikern für eine neue Band, da Bogert und Appice
mittlerweile Cactus gegründet hatten. Doch weil er nur
einen Schlagzeuger, Cozy Powell, finden konnte, machte er sich
noch im gleichen Jahr mit ihm und Mickie Most auf den Weg nach Detroit,
USA. Dort nahm er in den Motown Studios neben verschiedenen Sessions
mit Stevie Wonder und Curtis Mayfield eine Anzahl von
Titeln mit Sessionmusikern auf, die Mickie Most vorschnell als Album
mit dem Titel Beck In Motown ankündigte. Doch das Album erschien
nicht, aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht war das sogar
gut, denn wer weiß, ob Mickie Most nicht angesichts des angegriffenen
psychischen Zustands von Beck sein altes »Erfolgsrezept« wiederbelebt
hätte. Einzig der Stevie Wonder Song Looking For Another
Pure Love wurde ein hörbares Ergebnis dieser Periode.
Im April 1971 hatte Jeff Beck dann seine neue Jeff Beck Group
mit dem jazzig beeinflußten Keyboarder Max Middleton,
den soulorientierten Musikern Bob Tench (Gesang) und Clive
Chaman (Bass) und natürlich Cozy Powell zusam- men.
Die erste, Rough And Ready betitelte LP erschien im Oktober
1971. Anfang 1972 folgten ausgedehnte Amerika- und Europatourneen.
Jeff Beck war wieder da! Oder doch nicht?
- Denn die Bluesbezüge waren auf der von Beck nicht gerade überzeugend
produzierten LP ebensowenig zu finden wie sinnvoll integrierte Gitarrenarbeit.
Irgendwie merkte man Becks Gitarrenkünsten innerhalb dieser kühlen,
zwischen Rock, Soul und Jazz hin und her pendelnden Musik an, wie wenig
sie in der Lage waren, Emotionen zu transportieren. Zwar beherrschte
er nach wie vor seine vielzitierte Stärke, mit Pausen zu spielen,
aber eben nicht mehr, mit Pausen auszudrücken. Woran es lag, daß
die Magie von Becks Gitarrenspiel sich auf dieser und der folgenden
LP nicht mehr in voller Stärke entfaltete, ist schwer zu sagen.
Waren es seine Mitspieler, waren es seine Kompositionen, von denen nur
der Titel Situation überzeugte, war es gar Beck selbst oder alles
zusammen?
Eines stand jedoch fest: Diese und die im Juli 1972 erschienene LP
Jeff Beck Group packte einen nicht mehr.
Was auf den beiden Alben der ersten Jeff Beck Group im Übermaß
vorhanden war, packende musikalische, gesangliche und instrumentale
Gefühlsausbrüche, die ihre Wirkung nicht verfehlten, war auf
Rough And Ready und Jeff Beck Group höchstens noch
im Ansatz vorhanden und kühler, gefühlskalter, technisch hochgradiger
Versiertheit gewichen. Bei der zweiten LP hatte die Veränderung
auch damit zu tun, daß Jeff Beck die Platte in Memphis, Tennessee,
mit dem Produzenten Steve Cropper einspielte um den alten Stax
Sound hinzubekommen, doch »dann wurde die Platte in den ganz neuen
Gebäuden und mit modernsten Maschinen gemacht« (Jeff Beck).
Das Ganze klang entsprechend steril, wenn auch nicht so steril wie vieles,
was von ihm noch folgen sollte...