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Jeff Beck, Rock Gitarrist
"Rock-das ist für mich Energie."

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Jeff Beck, Jeff Beck Group, Rock-Energie
 

JEFF BECK: DER ALLESKÖNNER

Cosa Nostra/Beck Ola - Aggressiver Bluesrock

Ron Wood holte er jedoch schon bald reumütig zurück, da ihm sein Ersatz, der Bassist Douglas Blake, nicht gut ge- nug war. Für Waller kam dann der »echte Businessman« (Ron Wood) Tony Newman, mit dem man die Aufnahmen für die zweite LP, Cosa Nostra Beck-Ola, die im Juli 1969 erschien, machte. Mit dem Einstieg von Newman wurde auch Nicky Hopkins ein festes Bandmitglied (er lehnte dafür ein Angebot von Led Zeppelin ab), was jedoch nicht hieß, daß es zwischen ihm und Beck nicht ganz gewaltig gekracht hätte. Ron Wood erklärte:

    »Neben der Tatsache, daß Rod und Jeff nicht miteinander auskamen, bestand da eine ganze Menge Haß zwischen Nicky Hopkins und Jeff, was sich, wie ich denke, auch sehr stark in der Musik niederschlug.«

Und das tat es tatsächlich, denn Beck - Ola gelang wirklich mörderisch aggressiv. Das ganze Album strahlte eine Art chaotische Energie aus: Becks verzerrte Gitarre, Rod Stewarts Reibeisen-Stimme, Ron Woobs mächtiges, brummendes Bass-Spiel, Tony Newmans sich überschlagendes Schlagzeugspiel, alles wirkte, kontrastiert mit Nicky Hopkins' federleichten Läufen, nur um so wilder und gewalttätiger.
 
Doch anders als die Band seines ehemaligen Bandkollegen Jimmy Page, Led Zeppelin, die den Blues förmlich vergewaltigen konnte, war das, was Beck auf Truth gelang, die Gratwanderung zwischen den Extremen: einerseits voller Finessen, andererseits unerbittlich geradlinig.
 
Auf Truth geschah das, was danach so gut wie nie wieder funktionieren sollte:
 
Die Anklage und der Schmerz des Blues verwandelte sich in die Aggressionen und den Widerstand des Bluesrock. Die pervertierte Gefühlswelt des modernen Zivilisationsmenschen hatte sich auf diesem Album in unmißverständlicher Weise musikalisch zu Wort gemeldet.
 
Dieses Album zeigte, welche Möglichkeiten im scheinbar so fest umzirkelten Genre Bluesrock steckten. Es verband in den brutalen Neuinterpretationen von Jailhouse Rock und All Shook Up die Ursprünge der musikalischen Artikulationen von Wut und Widerstand des Rock'n'Roll mit den vorerst letzten Ausbrüchen von Provokation und Aggression des Punk. Irgendwie klang die Jeff Beck Group zu dieser Zeit wie eine Punkband, die nicht wußte, woher ihre Aggressionen kamen, und folglich nicht den Verursacher ihrer Aggressionen provozieren und anklagen konnte, sondern nur ihre Frustrationen musikalisch auslebte.
 
Jeff Beck setzte dazu alle Möglichkeiten ein, deren er fähig war: wildes Zerren am Vibrato-Hebel, totale Verzerrung, brutale Slidetöne und vor allem Feedback. So scheinbar ganz nebenbei gelang ihm dabei im Mittelteil von Jailhouse Rock mit seinem Gitarrensolo ein Meisterwerk, ebenso kurz wie prägnant.
 
Schon nach dem ersten Hören lauert man auf das Solo, hat es sich mit seinem perfekten Timing und seiner kompositorischen Gestalt in die Gehörgänge eingefräst. Dann hört man es wieder und wieder, und es gewinnt dabei noch. Hätte Beck nur dieses Solo aufgenommen, ihm gebührte zweifelsohne ein Platz in der Walhalla der großen Gitarristen. Für diesen genialen Moment kann man sich unsterblich in Beck verlieben.
 
Erst fünfzehn Jahre später gelang ihm eine ähnliche Leistung. In der Zwischenzeit hatte Jeff Beck über Jahre hinweg mit unerträglicher Musik genervt. Mit einem kleinen Solo in Rockin' At Midnight (auf The Honeydrippers) packte er einen wieder. Doch wie dem auch sei, die mitreissende Spontaneität und der Studiojam-Charakter von Beck-Ola hatten ihre guten Gründe: Jeff Beck hatte auf der zweiten USA-Tournee in Detroit von Carmine Appice und Tim Bogert telefonisch erfahren, daß sie Vanilla Fudge, die er nach mehreren Konzerten sehr bewundert hatte, aufgelöst hatten und nun mit ihm und Rod Stewart eine neue Band gründen wollten. Jeff Beck war wie elektrisiert und arbeitete mit Nachdruck an der Vollendung der Beck-Ola- LP (Produzent: Mickie Most). Gut zwei Wochen später, kurz nach dem Erfolg der Donovan-Single Barabajagal (Chartplazierung: 12), auf der die Jeff Beck Group noch mitgewirkt hatte, löste sie sich auf. »Das war zwei Wochen vor dem Woodstock Festival«, erinnert sich Ron Wood, für das sie bereits gebucht waren und das sie aller Wahrscheinlichkeit nach zur neuen Supergroup gemacht hätte.

   
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